Rochla Etinger-Tulczynska

12. Dezember 1902 in Rozany (Polen)

31. Dezember 1990 in Rechovot (Israel)

Der Podcast zu Rochla Etinger-Tulczynska erscheint im November 2021.

Kurzbiographie

Rochla Etinger-Tulczynska (1902-1990) wurde als Rochla Tulczynska im polnischen Rozany geboren. Über ihre Kindheit und Jugend ist nicht viel bekannt, nur dass sie vier Schwestern hatte. Wahrscheinlich kam sie erst nach ihrem mutmaßlich in Russland abgeschlossenen Medizinstudium als promovierte Bakteriologin nach Deutschland. Am 19. Januar 1928 heiratete sie mit 25 Jahren in Berlin den aus Minsk stammenden Mathematiker Simcha Etinger (1893-1966).

Kurz vor ihrer Hochzeit trat Rochla Etinger-Tulczynska ins Robert Koch-Institut (RKI) ein. Ihre erste Veröffentlichung über „Variationen von Typhusbacillen in Kulturen mit Organstücken“ stammt aus dem Jahr 1929. In den folgenden Jahren veröffentlichte sie mehrere Artikel, insbesondere in der Zeitschrift für Hygiene und Infektionskrankheiten. An zwei Beiträgen über Pneumokokken arbeitete sie zusammen mit RKI-Direktor Fred Neufeld (1869-1945), mit dem sie auch in der Berliner Mikrobiologischen Gesellschaft zwei Mal gemeinsam einen Vortrag hielt.

Nachdem die Nationalsozialisten an die Macht gekommen waren, musste Rochla Etinger-Tulczynska aufgrund ihrer jüdischen Herkunft das RKI verlassen. Zu diesem Zeitpunkt war sie, die zuvor mehrere Fehlgeburten erlitten hatte, hochschwanger. Im April 1933 machte sie sich mit ihrem Mann auf den Weg nach Italien, wo in Triest am 1. Juni 1933 ihr Sohn Hillel (1933-1982) geboren wurde. Von dort emigrierte die Familie nach Palästina, das zu dieser Zeit britisches Mandatsgebiet war. Ihre Hoffnung, in der neuen Heimat ihre Forschungen fortsetzen zu können, erfüllte sich zunächst nicht. Nach der Staatsgründung Israels konnte sie jedoch wieder als Bakteriologin im Department of Food Technology am National and University Institute for Agriculture in Rechovot arbeiten. Zudem betrieb sie eine Arztpraxis mit angeschlossenem Privatlabor. In den 1950er und 1960er Jahren veröffentlichte sie wiederholt Beiträge in internationalen Fachzeitschriften. Sie starb am Silvestertag 1990 im Alter von 88 Jahren in Rechovot.

Quellen:

  • Auskunft von Sarah Ettinger-Greenberg, der Enkelin von Rochla Etinger-Tulczynska
  • Hinz-Wessels A (2008) Das Robert Koch-Institut im Nationalsozialismus. Kulturverlag Kadmos: Berlin